#Standort(zukunfts)fit

9 Zukunftsfaktor Region: Warum Globalisierung und Regionalisierung kein Widerspruch sein müssen Die Herausforderung. Die Regionen der Steiermark sind durch ein ausgeprägtes Spannungsfeld von Zent- rum und Peripherie gekennzeichnet. Dabei hat sich je- doch in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, dass es durchaus einen Konvergenztrend gibt und die Dispari- täten sich langsam abbauen. Bestehende Unterschiede sind dabei vor allem auf die Infrastrukturanbindungen, die Wirtschaftsstruktur und das Fachkräfteangebot zurückzuführen. Die deutlichste Abweichung zwischen den Regionen ist im Bereich der demografischen Ent- wicklung auszumachen. Das Bevölkerungswachstum ist nahezu ausschließlich auf den Grazer Zentralraum und den Nahbereich der Hauptverkehrsachsen beschränkt. Alle übrigen Regionen sind mehr oder minder stark von Abwanderung betroffen. Vor allem periphere Regionen unseres Landes kämpfen schon gegenwärtig massiv mit einem Bevölkerungsrückgang. Es bedarf daher im Rahmen einer aktiven Regionalpoli- tik Gegensteuerungsmaßnahmen, um allen steirischen Regionen wirtschaftliche Entwicklungsperspektiven zu geben. Die Attraktivierung der Regionen als Lebens- und Wirtschaftsraum kann nur dann gelingen, wenn die Lebensqualität sichergestellt wird sowie eine am aktuellen Stand befindliche Daseinsvorsorge und aus- reichende Chancen, einen adäquaten Arbeitsplatz im näheren Umfeld zu finden, vorhanden sind. Wesentli- cher Ansatzpunkt ist dabei die gezielte Stärkung der zentralen Orte, um die Abwanderung zu stoppen. Ein anderer, sehr neuer Ansatz besteht darin, die funkti- onale Rolle von Regionen zu definieren und darauf aufbauend Entwicklungen strategisch voranzutreiben. Diese sogenannten „functional areas“ sind nicht nur innerhalb der Steiermark ein vielversprechender neuer regionalpolitischer Ansatz, sondern machen auch vor Bundesländergrenzen nicht Halt und sollten gerade vor dem Hintergrund der räumlichen Vertiefung zwischen Steiermark und Kärnten als Maßnahme zumindest in Betracht gezogen werden. Ortskernbelebungspaket umsetzen ҾҾ Ortskernförderungen: Laufende Funktionsanpas- sung für leerstehende Gebäude in Ortskernen. Diese können insbesondere auch als Wohnfunktion (kurze Wege, Nahversorgungstruktur) gut genutzt werden. In diesem Zusammenhang gilt es, noch stärker Sa- nierungsmaßnahmen zu fördern (Anhebung des Höchstbetrags für die umfassende Sanierung). Zu- dem sollte die Sonderförderung „Sanierungsoffensi- ve zur Belebung von Ortskernen“ auch von privaten Eigentümern und Bauträgern in Anspruch genom- men werden können. Die Förderschiene „Nahversor- gung“ der SFG sollte langfristig abgesichert werden. Die Förderschiene „Lebendige Zentren“ könnte er- gänzend zur Sanierungsoffensive wiederaufgelegt werden. Ҿ Ҿ Ortskernfokussierung im Bereich gemeinnüt- ziger Wohnbau: Gemeinnützige Genossenschaften sollen dazu angeregt werden, die Ortskernoffensi- ve des Landes zu unterstützen. Die Konzentration eines Teils der Bautätigkeiten der gemeinnützigen Wohnbauträger auf die städtischen Zentren (zent- rale Orte) entspricht den raum-, verkehrs- und sied- lungspolitischen Zielsetzungen. Ҿ Ҿ Keine überbordenden Bebauungsvorschriften für Zentren: Entwicklungen müssen auch im Zu- sammenhang mit dem Ortsbildschutz/Denkmal- schutz möglich sein. Ҿ Ҿ Regionale Hausbesitzerverbände forcieren: Die Bildung regionaler Hausbesitzerverbände sollte for- ciert werden, um diese verstärkt in die Ortskernent- wicklung einbinden zu können. Ҿ Ҿ Attraktivierung der Abschreibungsmöglichkei- ten bei Betriebsgebäuden: Die derzeit gelten- den, sehr restriktiven Abschreibungsmodalitäten im Steuerrecht, vor allem im Hinblick auf die Bereiche Herstellung (sprich massiver Umbau von Gebäuden) und Instandsetzung von Betriebsgebäuden, bedürfen einer Adaptierung. Nur so kann es gelingen, auch in den Ortszentren Impulse für die Schaffung moder- ner Gewerbeflächen zu schaffen. Dazu braucht es allerdings die Unterstützung des Bundes. Ҿ Ҿ Weißbuch Innenstadt: Erkenntnisse aus dem Weißbuch Innenstadt müssen im Rahmen konkreter Projekte in Umsetzung gebracht werden. Dezentrale Konzentration leben Unsere Forderung nach einer Dezentralisierung von Landesverwaltungseinrichtungen würde zu einer we- sentlichen Stärkung der Regionen beitragen. Damit verbunden wäre einerseits die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze in den regionalen Zentren, andererseits rücken die Ämter noch näher zum Bürger und bewirken kürzere Anfahrtswege. Neben der Verlagerung von Ar- beitsplätzen werden auch in Zukunft die Möglichkeiten von Telearbeit den Trend hin zur Dezentralisierung ver- stärken. Als „Best Practice“ kann dabei auf das Land Salzburg verwiesen werden. Im Rahmen eines aktuellen Projekts werden von den derzeit 2.200 Mitarbeitern der Salzbur- ger Landesregierung künftig 200 Mitarbeiter in die Re- gionen übersiedeln. Konkret werden das Abgabenamt (Tamsweg), die Landesforstdirektion (Zell am See), die Gemeindeaufsicht (Hallein) und ein Teil der Lebensmit- telaufsicht (St. Johann) in die Regionen verlagert. Zu-

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