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INSTITUT FÜR WIRTSCHAFTS- UND STANDORTENTWICKLUNG

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HAT DIE STEIERMARK VOM EU-BEITRITT PROFI-

TIERT?

3.1

Die volkswirtschaftlichen Effekte

Die Bedeutung des EU-Beitritts aus steirischer Sicht und der EU-Erweiterung wurde

in der Vergangenheit bereits eingehend untersucht. So widmete sich etwa die Zeit-

schrift „Politicum“ des Instituts für Politik und Zeitgeschichte im Jahr 2004, in wel-

chem zehn neue Mitgliedsländer – darunter auch die steirischen Nachbarländer Un-

garn und Slowenien – aufgenommen wurden, in einemwissenschaftlichen Sammel-

band den Folgen der EU-Osterweiterung. Zudem liegen diverse Studien bzw. Analy-

sen von Joanneum Research vor, die im Zuge des Projektes „EUBIS – Steiermark“

die volkswirtschaftlichen Effekte des EU-Beitritts aus steirischer Sicht analysierten.

Diesen Publikationen sind folgende Ergebnisse zu entnehmen:

Jährlich können 2.600 steirische Beschäftigungsverhältnisse direkt dem EU-

Beitritt zugeschrieben werden (Prettenthaler et al. 2012, S. 1).

Die Steiermark war im Jahr 2004 jenes Bundesland mit dem größten Anteil

an Ziel-2-Gebieten, in denen mehr als die Hälfte aller Einwohner lebten. Im

Zeitraum von 1995 bis 2006 standen daher 215,5 Mio. € an Strukturfonds-

mittel für die Steiermark zur Verfügung (Mühlbacher 2004, S. 51).

Die EU unterstützte die Steiermark von 2007 bis 2013 mit rund 155 Mio. €

aus EU-Strukturfondsgeldern für regionale Projekte. Insgesamt, so das Er-

gebnis einer Analyse von Joanneum Research (vgl. Prettenthaler 2014), er-

hielt die Steiermark im Zeitraum von 1995 bis 2014 rund 2,8 Mrd. € an För-

derungen. Nach Brüssel flossen aus der Steiermark hingegen im selben Zeit-

raum nur rund 1,5 Mrd. €. Die Steiermark hat damit fast doppelt so viel Geld

durch Förderungen von der EU erhalten wie sie bezahlt hat.

Der Förderschwerpunkt lag bisher im Bereich der Landwirtschaft bzw. der

ländlichen Entwicklung. In der Steiermark ist aber auch – insbesondere im

Vergleich zu Gesamtösterreich – ein starker Fokus im Bereich der Wirt-

schafts- und Innovationsförderung auszumachen (Prettenthaler 2012, S. 1).

Zudem können folgende positive Entwicklungen ins Feld geführt werden:

Die Exportperformance der Steiermark hat sich seit dem EU-Beitritt Öster-

reichs überdurchschnittlich entwickelt. Die Steiermark ist eines jener Bun-

desländer mit einer positiven Handelsbilanz (Güterexporte übersteigen Gü-

terimporte) und einer der höchsten Exportquoten i.e.S.

Der EU-Beitritt ebnete auch den Weg zu einer gemeinsamen Währungsunion

bzw. zum Euro, was eine erhebliche Transaktionskostensenkung und posi-

tive Aspekte im Außenhandel und Tourismus mit sich brachte.

Gerade für die forschungsintensive Steiermark mit einer der höchsten F&E-

Raten weltweit, ihren international ausgerichteten Hochschulen sowie der

dichten Landschaft an Kompetenzzentren und Clustern ist die europäische

Vernetzung ein wichtiges Asset, das heute nicht mehr wegzudenken ist.

In der Steiermark

+2.600 Beschäftigte

pro Jahr durch den

EU-Beitritt, zudem

ist die Steiermark

Nettoempfänger von

EU-Fördermitteln

Seit dem EU-Beitritt

überdurchschnittli-

che Entwicklung des

steirischen Außen-

handels mit einer

positiven Handels-

bilanz