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INSTITUT FÜR WIRTSCHAFTS- UND STANDORTENTWICKLUNG

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WIE HAT SICH DER EU-BEITRITT WIRTSCHAFTLICH

AUF ÖSTERREICH AUSGEWIRKT?

Der EU-Beitritt Österreichs im Jahre 1995 war, nicht nur aus politischen Gesichts-

punkten heraus betrachtet, sondern gerade auch in wirtschaftlicher Hinsicht, ein

sehr maßgebliches Ereignis. Die kleine, aber zu diesem Zeitpunkt bereits sehr inter-

national orientierte Volkswirtschaft rückte mit einem Schlag aus einer geopoliti-

schen Randlage quasi in Richtung Zentrum eines sich gerade etablierenden großen

Binnenmarktes, wie auch beispielsweise Breuss bemerkt:

„In dieser Zeit hat sich Europa geopolitisch stark verändert. Der Zusam-

menbruch der kommunistischen Planwirtschaften in Osteuropa hatte die

Ostöffnung und letztlich die Wiedervereinigung Europas zur Folge. Die Eu-

ropäische Gemeinschaft (EG) hatte sich gerade zum Ziel gesetzt, ihre In-

tegration durch Schaffung eines Binnenmarktes nach dem Vorbild der USA

zu vertiefen, als 1989 der Umbruch in Osteuropa die politische Landschaft

völlig veränderte und die EG zwang, über eine Erweiterung nachzudenken.“

(Breuss 2010, S. 117)

Die Ziele des EU-Beitritts aus wirtschaftlicher Sicht waren folgende:

Gleichberechtigter Zugang zum Binnenmarkt (Freiheit des Warenverkehrs

und Stärkung des Exportsektors)

Vertiefung der Arbeitsteilung

Schaffung der Voraussetzungen für eine Währungsunion

Schaffung einheitlicher Normen und Vorgaben – Harmonisierung von Geset-

zen

Wegfall der Zollgrenzen (die Zollkosten betrugen vor dem EU-Beitritt 0,5 bis

1 Mrd. € pro Jahr)

Aussicht auf Erweiterung der EU in Richtung Südosteuropa

Der gesamte Integrationsprozess, der 1989 mit der Ostöffnung startete, brachte für

Österreich viele Vorteile: Insgesamt bewirkte dieser laut Breuss (2013, S. 8) in Ös-

terreich pro Jahr einen zusätzlichen Anstieg des realen Bruttoinlandsproduktes

(BIP) um 0,9 Prozentpunkte (oder 2,4 Mrd. € zu Preisen 2005) und die Schaffung

von rund 17.000 Arbeitsplätzen. Die Arbeitslosenquote sank jährlich um 0,7 Prozent-

punkte, die Inflationsrate um 0,2 Prozentpunkte. Der EU-Beitritt alleine bewirkte von

1995 bis 2015 ein kumuliertes zusätzliches Wirtschaftswachstum von 32 Mrd. €

und die Schaffung von rund 13.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen pro Jahr (Kleedorfer

2018, S. 9).

Im Zuge des Integrationsprozesses gelang es Österreich nach und nach auch die

Leistungsbilanz – bedingt vor allem durch eine Verbesserung der Handelsbilanz –

in einen positiven Saldo zu führen. Ab dem Jahr 2002, dem Jahr der Euro-Bargeld-

Einführung in Österreich, ist die Leistungsbilanz positiv. Die Exporte von Gütern und

Dienstleistungen sind seitdem größer als die Importe, es werden Nettofinanzie-

rungsüberschüsse erzielt. Zu diesem Erfolg haben vor allem die exportstarken Bun-

desländer wie die Steiermark mit ihren positiven Handelsbilanzen beigetragen.

Österreich im

Zentrum eines sich

etablierenden

Binnenmarktes

1995 bis 2015

zusätzlich 13.000

Arbeitsplätze pro

Jahr und 32 Mrd. €

kumuliertes

Wirtschafts-

wachstum

Signifikante Verbes-

serung der österrei-

chischen Leistungs-

bilanz im Zuge des

europäischen Integ-

rationsprozesses